Oracle Standard Edition vs. Oracle Enterprise Edition

Immer wieder stellt sich die Frage, ob man für den Betrieb einer Oracle-Datenbank-Applikation die Standard-Edition (SE) der Datenbank oder die Enterprise-Edition (EE) benötigt. Und ein Blick auf die Listenpreise (http://shop.oracle.com/) zeigt, dass es sich lohnen kann, wenn man sich über das Thema Gedanken macht.

Beiden Datenbanken Editionen ist gemeinsam, dass die Anzahl der User, die Datenmenge oder der verwendbare Hauptspeicher (für SGA und PGA) nicht limitiert ist. Das ist also kein Kriterium.

Ein Kriterium ist die zur Verfügung stehende Hardware: hat die für die DB geplante Server-Hardware mehr als 4 Sockets, dann ist zwingend die Enterprise Edition erforderlich. Die SE ist auf maximal 4 Sockets limitiert. Diese können aber auf zwei (oder mehr) Server verteilt sein, so dass man mit der SE – ohne weitere Lizenzkosten (!) – einen Real Application Cluster (RAC) realisieren kann. Immer vorausgesetzt, das Gesamtsystem hat maximal 4 Sockets. Ob diese Sockets mit Dualcore, Quadcore oder Hexcore-Prozessoren bestückt sind, ist dabei irrelevant. Die „Standard Edition 1“, kurz „SE1“ ist noch kleiner und erlaubt maximal 2 Sockets (und keinen RAC).

Für viele kleinere Anwendungen reicht diese Hardware erfahrungsgemäß.

Das nächste Kriterium ist die benötigte Funktionalität. Wenn man Datenbank-Optionen wie z.B. Partitioning nutzen möchte, dann kommt man um die Enterprise Edition nicht herum. Sämtliche Optionen (außer RAC, siehe oben) setzen die Enterprise Edition voraus und sorgen für zusätzliche Lizenzkosten.

Darüber hinaus gibt es auch hilfreiche und nützliche Datenbankfunktionalität , wie z.B. Online-Index-Rebuild, Flashback-Funktionalität oder Parallelisierung, die nur in der EE verfügbar ist. Eine komplette Übersicht gibt es im Oracle Licensing Guide (http://docs.oracle.com/cd/E11882_01/license.112/e10594/editions.htm).

Wenn man sich dann doch für die Standard-Edition entschieden hat, gibt es auf dem Markt einige Tools, mit denen man die fehlende Funktionalität nachbilden kann, so dass das Gesamtsystem in jedem Fall günstiger ist.

 Automatic Workload Repository (AWR)

AWR ist der Nachfolger von Statspack. AWR bietet etwas mehr Funktionalität und ist auch schön in den Enterprise Manager integriert. Allerdings muß man, um mit AWR arbeiten zu dürfen, das „Diagnostic Pack“ lizensiert haben. „Statspack“ gibt es immer noch und wurde mit den letzten Oracle-Versionen auch weiterentwickelt. Es ist somit eine sinnvolle Alternative für diejenigen, die dieses Diagnostic Pack nicht lizensiert haben oder die nur die Standard Edition lizensiert haben.

Hinweise zur Verwendung von Statspack gibt es z.B. unter http://www.oracle-base.com/articles/8i/statspack-8i.php oder http://www.orafaq.com/wiki/Statspack

DataGuard

Für die Kenfunktionalität von DataGuard – nämlich dem Betrieb von Standy-Datenbanken im Rahmen von HA-Konzepten – gibt es eine Vielzahl von Tools, die diese Funktionalität auch für die Standard-Edition bereitstellen. Eines davon ist – Achtung Werbung – das Package TVD Standby von der Trivadis AG (http://www.trivadis.com/produkte/datenbank-tools/tvd-standbytm.html)

Wechsel von einer Edition zur anderen

Wie geht man nun vor, wenn man von einer Edition zur anderen wechseln möchte?

Der Wechsel von der Standard Edition (SE) zur Enterprise Edition (EE) ist der einfachere von den beiden: parallel zur laufenden Software der SE wird die EE in der gleichen Version installiert. Dann wird die laufende DB beendet und mit der EE-Software (= neues ORACLE_HOME) neu gestartet. Anschließend noch catalog.sql und catproc.sql ausführen. Danach ist die DB auf dem Level „Enterprise Edition“.

Andersherum geht es nur über Export/Import bzw. DataPump. Also: 1. Standard-Edition Software installieren, 2. neue (leere) Datenbank anlegen und vorbereiten (User, Tablespaces etc.) 3. Daten der EE-Datenbank exportieren, 4. Daten in die SE-Datenbank importieren.

 

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